24.11.10 - Tottenham Hotspur - Werder Bremen 3:0

Die Werder Krise hatte, anders als z.B. bei Schalke, in allen Wettbewerben voll zugeschlagen, sodass auch in der Königsklasse nur wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen existierte. Und grade jetzt sollte es zum absoluten Highlight dieser Saison kommen: Das Auswärtsspiel in London bei den Spurs. Am Dienstagabend traf man sich mit einer Kanne voll Glühwein am Stadion, um mit dem Bus den Weg nach England anzutreten. Der Bus war voll besetzt mit einer gesunden Mischung aus bekannten Leuten, älteren Allesfahrern und ein paar kaputten Alkis. Wir kamen ausgesprochen fix durch und chillten bei English Breakfast bereits morgens auf der Fähre. Auf der anderen Seite angekommen wurden wir jedoch erneut angehalten, da unser Bus angeblich radioaktiv strahlte. WTF? Es stellte sich heraus, dass eine Mitfahrerin vor kurzem mit diesen Strahlen behandelt wurde und es immernoch nachgewiesen werden konnten, wir durften jedoch weiterfahren. Auf dem Weg nach London blieb natürlich kein schlechter Witz über Castor Transporte unausgesprochen, sodass es trotz Stau ein lustiger letzter Reiseabschnitt wurde. In London angekommen brauchten wir eine Weile um einen geeigneten Platz für unseren Bus zu finden, doch auch das klappte irgendwann. Per Zug und U-Bahn ging es dann zur Victoria Station, um den Rest unserer Leute einzusammeln, die den Weg mit dem Flugzeug angetreten hatten. Im Pub wurde dann erstmal ein Bier gezischt, ehe wir den Fernseher entdeckten, der Studentenkrawalle beim Parlamentsgebäude zeigte. Also nichts wie hin. Die Demo war sehr interessant, entwickelte sich jedoch immer mehr in die gewalttäige Richtung und als wir so langsam aus dem Kern raus wollten, da sich die Polizeikette auf uns zu bewegte, war eine längere Diskussion mit einem Beamten notwendig, um den Platz zu verlassen. Ich wurde noch kurz von der BBC interviewt, wobei ich mich mit den Studenten solidarisierte und weiter ging es zur Tower Bridge. Mit Fish & Chips und dem guten alten Becks wurde der Sonnenuntergang an Englands schönster Brücke genossen, ehe wir letztlich zum Spiel aufbrachen. Dank meiner London-Kenntnisse war dies auch alles kein Problem, sodass wir pünktlich eine Stunde vor Anpfiff unsere Plätze an der White Hart Lane einnahmen. Wir stellten schnell fest, dass wir an diesem Abend mit einer absoluten Rumpfelf auflaufen mussten, da sich Almeida kurz vor dem Spiel zur Verletztenliste hinzufügte. Bis zum Anpfiff war von den Spurs nichts zu hören, doch pünktlich zum Anpfiff hatten wir dann akustisch keine Chance mehr - ein weiterer Beweis, dass englische Stadien das beste der Welt sind. Doch auch wir hatten mit dem lautesten "Wo die Weser.." ever und "You only sing when you winning" sehr laute Phasen. Doch es half alles nichts: Bereits nach 5 Minuten lagen wir wieder hinten. Doch Werder gab sich dieses Mal nicht auf und kämpfte - spielte mit. Jedoch war der Klassenunterschied bei manchen Spielern nicht wegzukämpfen, sodass wir vor der Pause das fällige 2:0 kassierten. Nach der Pause hatten wir dann sehr viel Glück, als die Londoner zweimal die Latte trafen und Wiese einen Elfmeter hielt. Doch das 3:0 konnte auch er dann nicht mehr verhindern. Nach dem Spiel gab es keine Pfiffe aus unerem Block, sondern ein geschlossenes "Thomas Schaaf, du bist der beste Mann" - Gänsehaut. Bei klirrender Kälte wurde anschließend auf den Bus gewartet, was mit den Spurs-Spielern überbrückt wurde, die an uns vorbei liefen, da sie auf dem gleichen Parkplatz parkten. Die Rückfahrt war erwartungsgemäß sehr ruhig und auf der Fähre wurden die letzten Pounds in die Spielautomaten geworfen. Danke an alle, die da waren und diesen Tag zu einer traufhaften Auswärtstour gemacht haben.

Strecke: 1623 km (hin und zurück)
Zuschauer: 36310
Anreise: Bus, Fähre
Tore: 1:0 Kaboul (6.), 2:0 Modric (45.+1), 3:0 Crouch (79.)

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