Es war also wieder soweit. Mit dem Trainingslager auf Norderney wird traditionell das Werder-Jahr eingeläutet und da durften wir natürlich wieder einmal nicht fehlen. Hinzu kam noch, dass es mal wieder gegen unsere alten Freunde aus Essen ging, was ja auch nicht allzu oft vorkommt, da die Rot-Weißen ja nur noch in der Regionalliga kicken und nicht einmal mehr regelmäßig auf unsere Amateure treffen. Also ging es einmal mehr mit dem Zug in Richtung Norddeich Mole, doch die Tour hatte noch nicht einmal angefangen, da hatte der erste Zug schon 25 Minuten Verspätung wegen, wie wir jedenfalls aus dem Lautsprechergemurmel verstanden, "Amerikanischen Streitkräften". Es hätte aber auch genauso gut "Armenische Sprite-Säfte" heißen können, man hätte es sowieso nicht verstanden. Die Zugfahrt verlief außer ein paar nervigen Kiddies ereignislos und so ging es nach kurzer Wartezeit auf die Fähre.

Norderney und die Inseln darum schienen von einer Gewitterfront, wie ich sie selten erlebt habe, umgeben zu sein. Die Wolken waren wirklich nicht mehr dunkel, sondern schwarz und wir bekamen einen kleinen Vorgeschmack darauf, was uns an dem Tag noch erwarten sollte.. Drüben angekommen wurde erstmal ein Fischbrötchen verzehrt (muss einfach). Der Weg mit den viel zu schweren Taschen und dem viel zu nassen Wetter erschien endlos, doch am Campingplatz angekommen fing es dann wirklich wie aus Kübeln an zu gießen.

Mehrere Aufbauversuche anderer Gruppen scheiterten, doch in einer etwas ruhigeren Phase nahmen wir allen Mut zusammen und bauten unser Zelt auf, was auch ganz gut gelang, zumindest bis der Rohbau stand, denn dann fing es wieder wie aus Eimern an zu schütten. Egal, wir zogen es durch und zwei Minuten später stand unser Zelt - zwar schräg und mit 20 Zentimeter Wasser im Boden, aber es stand. Die Sachen wurden reingeworfen und ab ging es zum Spiel. Auf dem Weg zum Sportplatz schoben wir uns von Hauseingang zu Hauseingang, während wir einmal sogar eine offene Vordertür vorfanden. Weiter als bis zur Kellertür trauten wir uns dann aber doch nicht hinein.

Am Sportplatz an der Mühle kam es dann zu einem kleinen Wunder: Der Sturm des Jahrtausends entwickelte sich innerhalb von Minuten zu einem angenehmen Sommerwetter. Als hätte der Wettergott pünktlich zum Spiel eine Pause eingelegt. Wir kamen genau mit dem Essener Spielerbus an und gingen ein Paar Meter mit den Jungs bis zu den Kabinen. Dann kauften wir unsere Tickets und suchten den Fressstand. Nach einiger Zeit kamen dann auch unsere Spieler auf den Rasen und es waren einige große Namen aus unserem Kader dabei. Unter anderem gab Moreno an diesem Tag sein Debüt für Werder. Frings hingegen war aufgrund einer roten Karte aus einem Freundschaftsspiel gesperrt - wusste ich auch nich, dass sowas möglich ist.

Das Spiel fing sehr gut an, denn Hugo schoss bereits nach zwei Minuten das 1:0 für uns. Das Spiel war auf rutschigem Rasen nicht wirklich ansehnlich und es gab nur wenige Torraumszenen. Die Szene des Spiels fand deshlab auch außerhalb statt: Premiere Moderator Hellmann, der das gesamte Spiel über die Lautsprecher kommentierte, wurde nach einem Check von Hugo von einem Essener umgerannt, sodass nur ein lautes "Wuuuaaa aua" aus dem Lautsprechern kam. "Endlich isser ruhig" und "Halt dein Maul halt dein Maul" waren die Reaktionen der Fans. In er Pause wurde unsere Ma

nnschaft nahezu

komplett ausgewechselt und es spielte eigentlich unsere U23. Zwar erhöhte unser zweites Team noch durch Husejinovic auf 2:0, doch die Essener spielten weiterhin gut mit trafen zum Anschlusstreffer und später sogar noch zum Ausgleich. Nach dem Spiel nutzten wir die Möglichkeit um mit ein paar Spielern, Trainern und Mitglieder unseres Präsidiums zu plaudern - alles ziemlich nette Menschen. Auch der neue Trainer Thomas Strunz stand uns gerne für ein paar Worte bereit.

Nach dem Spiel ging es dann schnell zurück zum Zelt, denn es fing schon wieder leicht zu regnen an. Mit Mucke versuchten wir dann langsam in den Schlaf zu finden, doch mitten in der Nacht wurden wir dann vom Sturm des Jahrtausends erneut aus dem Schlaf gerissen. Es hämmerte wirklich gegen die Zeltwand und an Schlaf war kaum zu denken - gemütlich war es aber irgendwie trotzdem.

Am nächsten Morgen wollten wir dann eigentlich schnell duschen, doch wir mussten noch eine halbe Stunde warten, da der Platzwart wohl weniger auf Fussballfans steht und erstmal in aller Ruhe das Sanitärhaus reinigen wollte. Wir schafften es trotzdem noch entspannt bei schönem Nieselregen rechtzeitig zur Fähre, auf der wir die Zeit mit einem Vanilleshake totschlugen. Es folgte eine langweilige Bahnfahrt, auf der eine verwirrte Oma versuchte meine Tasche zu klauen (sie hielt sie für ihre), auf der aber sonst wenig passierte. Die Tour endete dann schließlich, wie sie einen Tag vorher angefangen hatte: Mit einem verspäteten Zug in Achim.. Auf ein erfolgreiches Jahr!
Strecke: 277,18 (hin und zurück)
Zuschauer: 3000
Anreise: Zug / Schiff
Tore: 1:0 Almeida (2.), 2:0 Husejinovic (61.), 2:1 und 2:2 Lemke (61./85.)
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