26.02.09 - AC Milan - Werder Bremen 2:2

Mit einer Auswärtsniederlage in Cottbus im Nacken, ging es am Mittwochabend zum Weserstadion, um die Fahrt nach Mailand anzutreten. Mit jeder Menge flüssigen Gold gestaltete sich die Fahrt ziemlich lustig und als ich nach zwei-drei Stunden einschlief, erwachte ich erst wieder mitten in den schweizer Alpen. Man muss wirklich sagen, dass die Schweiz ein sehr sehr schönes Land ist, auch wenn Basel, was wir auch passierten, ein einziges Ghetto darstellt. Aber auf den Raststätten kann man bei herrlichem Panorama pinkeln. Alle sprachen schon seit Stunden vom schönen Italien, doch als wir dann die italienische Grenze erreichten, war es dann doch alles noch schöne Schweiz gewesen. Die restliche Fahrt nach Milano wurde ertränkt und wenig später kamen wir in der Mittagszeit am San Siro an. Dazu muss man noch sagen, dass es in einem wenig vertrauenserweckenden Vorort steht, in dem Kinder auf einem Autofriedhof spielten. Bei dem Anblick dieses zerstörten Stadtteils rief einer von hinten: "Hier ist United am Dienstag durch!" Könnte allerdings auch sein. Unfreundlich wurden wir auf den Gästeparpklatz geleitet, der wahnsinnig groß ist und auf dem unsere späteren fünf Busse etwas verloren aussahen. Das Stadion allerdings ist von außen schon einfach gigantisch und wahnsinnig hoch. Wir machten erstmal ein paar Fotos und gingen dann los richtung Stadt.Da wir absolut keine Ahnung hatten, wo es hinging, suchten wir einfach mal die nächste U-Bahnstation. Nach 20 Minuten suchten wir dann einen gegeigneteten Standort um die Blase zu entleeren, fanden wir dann aber leider nur ein kameragesichertes Haus. Als der Besitzer rausstürmte hieß es erstmal laufen. Wir fanden die U-Bahn mit Hilfe von anderen Werderanhängern und fuhren zum Kathedralenplatz. Die Bremer hatten schon einige kleine Läden an der Kirche eingenommen und so setzten wir uns einfach dazu. Ich nutzte die Zeit und das gute Wetter um mir das Gotteshaus einmal näher anzuschauen.Da gerade Fsching auf dem Platz gefeiert wurde, liefen überall verkleidete Kinder herum, mit denen sich die Bremer die Zeit vertrieben. So wurde SPIDERMAN vergöttert und ein Powerranger besiegte den ganzen Werderhaufen alleine. Das Kehrfahrzeug versuchte nachher das ganze Konfetti wieder aufzuräumen, bemerkte jedoch nicht, dass genau hinter ihm die Bremer mit Konfettitüten standen und den gerade gesäuberten Bereich wieder lustig einfärbten. Der gute Mann kam noch bestimmt zehn Mal vorbei und merkte es nie.Wir besuchten zwischendurch noch ein altes Gefängnis, einen kleinen Jahrmarkt und holten uns bei Burger King (es gibt keinen Chicken Nugget Burger oO) was zu essen. Die meiste Zeit hielten wir uns jedoch auf dem Platz vor der Kirche mit den anderen Bremern auf. Man muss aber auch wirklich sagen, dass die italienischen Frauen sehr hübsch sind. Fast alle waren perfekt gestylt und gekleidet - Modestadt eben. Je später es wurde, desto mehr Bremer wurden wir und allmählich kamen wir uns vor wie im Zoo, denn um uns herum war alles voller andere Touristen und schauten uns beim trinken, singen und bei der Humba zu. Sie filmten uns, fotografierten uns und riefen uns irgendwas zu. Fehlte echt nur noch, dass sie uns was zu essen hinwarfen. Um 18 Uhr machten wir uns dann alle zusammen auf zum Stadion und drehten uns ein letztes Mal zu unserem Platz um.Wir fuhren ein paar Stationen mit der U-Bahn, die wir mit "Wer nicht hüpft der ist kein Bremer" fast zum entgleisen brachten. Die Italiener in der Bahn reagierten aber echt cool, grinsten uns an oder machten sogar mit - sehr gechillt. Danach ging es mit Gefängnisbussen (Gitter statt Fenster) die letzten Meter bis zum Stadion. Bei der Einlasskontrolle kriegte sich der Ordner gar nicht mehr ein, als er in meinem Rucksack noch ein paar schöne deutsche Würste fand. Ich glaube alle Vorurteile wurden von mir bestens bestätigt. Dann ging es die berühmten Türme des San Siro hinauf - immer im Kreis, bestimmt 10 Minuten lang. Oben angekommen ließen wir das Stadion erstmal auf uns wirken.
Wirklich ein sehr beeinduckendes Teil. Im Stadion gab es dann nur alkoholfreies Bier - dafür aber jede Menge Ramazotti. Sinn? Wir richteten uns erstmal im Block ein, hingen unsere Fahnen auf und chillten ne Runde. Irgendwann drückte dann aber die Blase und wir bekamen die wunscherschönen Toiletten zu sehen.Man pinkelt da echt ins bodenlose. Will gar nicht wissen, wo das am Ende landet. Das Stadion füllte sich allmählich, aber richtig voll wurde es nicht. Als die Mannschaften den Rasen betraten, war das Stadion zu einem Viertel gefüllt. Mit einem schönen Pyrointro auf unserer Seite wurde das Team begrüßt und hinein ging es in den Kampf ums Viertelfinale.Werder spielte so stark wie lange nicht mehr. Mailand hatte nie den Ball und wenn ja, wurde er von den Bremern zurückerkämpft. Um so ärgerlicher, als die Mailänder einen sehr umstrittenden Handelfmeter zugesprochen bekamen und ihn versenkten. Werder spielte - Milan traf und das erneut: Pato nach einem klugen Pass frei vor Vander und drin war er. 2:0 zur Pause - ich glaubte nicht mehr dran.Aber Werder dominierte weiter und Pizarro gelang doch tatsächlich der Anschlusstreffer. Die ohnehin gute Stimmung auf unserer Seite wurde nochmal richtig gepusht und ales wir dann den Ausgleich erzielten, gab es kein Halten mehr. Alle drehten vollkommen am Rad, die letzten Bengalos wurden verbrannt und jeder fiel jedem in die Arme. Jetzt hieß es zittern: Wenn es so blieb, waren wir weiter. Mailand nochmal mit dem Freistoß - abgewehrt zur Ecke. Ecke kommt rein - wird geklärt - Abpfiff - wir hatten es geschafft.So richtig konnten wir es noch gar nicht fassen. Zur Beruhigung wurden unsere Spieler beim auslaufen abgefeiert, ehe es wieder richtung Bus ging, um die Heimreise anzutreten. Vorher gab es auf dem Parkplatz noch unsere private Pyroshow, doch die Ordner schauten einfach nur zu und entsorgten hinterher den Müll - sehr geil. Die Fahrt gestaltete sich wieder als süffig und endete mit acht Stunden Schlaf am Stück für mich. Als ich aufwachte, waren es nur noch ein paar Stunden bis nach Bremen. Dort angekommen wurde schnell geduscht und erstma ne Runde gepennt. Die Fahrt war mal wieder ein Beweis dafür, dass Auswärtsfahrten, gerade durch Europa, das beste der Welt sind. Die Erlebnisse während der Fahrt, die Städte, die man sieht und natürlich das Spiel selbst - das alles ist unbezahlbar.

Strecke: 2186.86 km (hin und zurück)
Zuschauer: 20000
Anreise: Bus
Tore: 1:0 Pirlo (26., Handelfmeter), 2:0 Pato (33.), 2:1 Pizarro (68.), 2:2 Pizarro (78.)

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