28.01.09 - Borussia Dortmund - Werder Bremen 1:2

Es ist nicht gut in der Schule zu sitzen und jedes mal wenn der Lehrer etwas fragt einem die Mannschaftsaufstellung vom Abend durch den Kopf läuft oder man in Gedanken schon den Weg vom Bus zum Stadion durchgeht. Zumindest ist das nicht gut für die Noten - andererseits ist es jedoch das beste Gefühl der Welt. So war es auch wieder an diesem Mittwoch am Ende des viel zu kalten Januars. Direkt von der Schule ging es mit der Karre zum Stadion. Unser Bus war schon so gut wie abfahrbereit und es ging relativ pünktlich los in richtung Pott. Die Ansprache des Busfahrers fiel übrigens in etwa so aus:" Jetzt kommt so n bißchen bla bla, es herrscht Anschnallpflicht, dass ihr das nicht macht ist mir klar - erfolgreiche Fahrt." So muss das sein. Die Fahrt wird natürlich traditionell mit Musikgut der Marke "Sauflied" verbracht, doch da die Boxen einfach mal der absolute Müll waren, stellten wir auf mp3 um, hörten feinsten House und chillten in der untergehenden Sonne. Dabei fiel mir mal wieder auf, dass es die verschiedensten "Fahrertypen" in unseren Bussen gibt:1. Die absoluten Hardcore Säufer, die mittags mit Bacardi anfangen, später die Kurze-Vorräte plündern und scheinbar jedes Mickie Krause Lied auswendig können (inklusive der Bonustracks). 2. Freaks, die im normalen Leben sicherlich nichts auf die Reihe bekommen, mit Alkohol allerdings ein wenig aus sich raus gehen und versuchen Party zu machen, was ihnen jedoch nicht gelingt, da ihnen einfach die coolen Sprüche fehlen. 3. Männer, deren unglaublich hartes Schicksal es ist, eine Freundin zu haben, die auch fussballinteressiert ist. Das heißt im Klartext: Kein Alk und schön benehmen. Es sei denn Frauchen ist auch Hobby-Alkoholikerin. 4. Schließlich die Gruppe zu der wir uns zählen: Wir chillen die ganze Fahrt durch, diskutieren über Fussball, versuchen unmögliche Bild-Kreuzworträstel zu lösen, gucken uns die Landschaft an, labern scheisse, probieren komische Kekse, beobachten wie die ersten dem Alkohol erliegen und freuen uns einfach auf das Spiel. Man muss allerdings sagen, dass wir mit dieser Einstellung eindeutig in der Minderheit sind. Angekommen in Dortmund mussten wir wegen einer Polizistin einen kurzen Umweg nehmen, kamen aber dann nach ein paar Minuten beim Stadion an, welches die Tore glücklicherweise schon geöffnet hatte. KiNG wollte sich gerade eine Bratwurst und ich mir einen Hot Dog kaufen, da sahen wir ihn: Einen Dönerstand mitten in einem Fussballstadion - stilecht mit Ruhrpottkanacke als Bedienung. Unsere Träume wurden war. Na ja fast zumindest denn der Döner stellte sich bestenfalls an unterer Durchschnitt heraus. Ich gönnte mir noch was zu trinken (Red Bull aus nem Becher schmeckt komisch) und hinein ging es ins Stadion. Es war noch nicht sehr viel los - sogar auf der Südtribüne waren erst wenige schwarz-gelbe Flecke zu verzeichnen. Viele im Block tranken Kakao, was das verbesserte Essensangebot in Dortmund für mich nur bestätigte. Wenn das doch nur in jedem Block so wäre... Die Zeit wurde mit Spekulationen über die spätere Zuschauerzahl und der Frage überbrückt, wo eigentlich unsere Ultras steckten, denn sie kamen wirklich erst ziemlich spät in den Block - zumindest kam es uns so vor. Zum Warmlaufen der Borussen gab es ein "Westfalenstadion" Banner zu sehen. Als unsere Mannschaft sich dann aus dem Tunnel begab, war es schon ein geiles Gefühl, sie endlich nach der Pause wieder auf dem Rasen zu sehen. Vor dem Spiel gab es dann noch eine Gesangseinlage von einem Chor, der sich eigentlich ganz gut anhörte, doch natürlich wurde er von uns gnadenlos ausgepfiffen. So ganz habe ich den Sinn dieser Einlage auch nicht verstanden, denn es wurde auch eine Fahne präsentiert, die dann später an die Südtribüne übergeben wurde. Komische Sache. Unterstützt wurde das ganze von einem lächerlichen Feuerwerk, das von einem ganz anderen beeindruckenden Bild in den Schatten gestellt wurde, denn die Kamera- und Handylichter der Südtribüne, die das Treiben auf dem Rasen filmten, sahen wirklich in der Masse verdammt geil aus. Kurze Zeit später kamen die Mannschaften spielbereit aufs Feld und die Partie konnte losgehen.Leider begann unsere Mannschaft sehr schwach. Vor allem Tosic war wieder einmal völlig von der Rolle und spielte viele Fehlpässe. Hinzu kam noch, dass der Schiedsrichter uns zu benachteiligen schien und so folgte auch einer krassen Fehlentscheidung (Foul an Almeida nicht gesehen) das 1-0 für die Dortmunder. Werder zeigte sich weiterhin unsicher und Dortmund scheiterte einige Male an Wiese und am Pfosten. Zur Halbzeit konnten wir froh sein, nur 1-0 hinten zu liegen. In der zweiten Hälfte machte Werder plötzlich das Spiel und Almeida erzielte mit einem schönen Weitschuss den wichtigen Ausgleich. Kurz vor Schluss dann die geilste Szene: Diego mit dem Freistoß gegen den Pfosten, der Ball prallt zurück ins Feld, Özil läuft mit dem Ball, Pizarro nimmt ihn an sich und schießt - Tor - ausrasten. Das Spiel war gedreht und es ging gar nichts mehr mit unseren Stimmen. Die Mannschaft wurde danach bei jedem Ballkontakt gefeiert und spielte des Sieg souverän nach Hause. "Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin." Nach dem Spiel freuten wir uns schon auf den warmen Bus, in dem wir natürlich wieder auf gewisse Spezialisten warten mussten, die den Bus nicht fanden. Einer musste sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden, da die Dortmund mit ihrer Niederlage wohl nicht so ganz zufrieden waren. Wir wollten gerade die Ergebnisse der anderen Spiele aus dem Radio erfahren (göttlich MP3 Player mit Radio), da kam die Nachricht zu uns, dass ein BVB Fan bei dem Spiel zu Tode gekommen war, weil er von der Südtribüne stürzte. Wir waren zunächst ein wenig verblüfft, weil wir nichts derartiges im Stadion mitbekommen hatten. Der betrunkene 20-jährige war offenbar ein acht oder neun Meter hohen Abhang runtergefallen.
Die Rückfahrt konnte ich nicht mehr so gut schlafen, weil zum einen die Musik höllisch nervte und zum anderen ich irgendwie die ganze Zeit über diesen Unfall nachdenken musste. Es ist noch dazu einfach nicht möglich zu schlafen, wenn immer wenn du die Augen öffnest jemand vor dir steht und "brutal anal Blumenthal" gröhlt. Lustig war dann noch eine Rast, bei der wir genau neben einem Schweinelaster hielten. Dementsprechend stank das ganze dann auch. Den Tipp "Die LKW Fahrer bitte nicht wecken, die können unangenehm werden" hätte unser Busfahrer dabei lieber sein gelassen... Aber die guten Herren kamen zum Glück nicht aus ihren Wagen heraus. Die letzten Kilometer wurden mit dem Lied "Oh Marlene du hast so schicke Beene doch Titten haste keene ihr wisst schon wis ick meene" verbracht. Angekommen in Bremen wurde dann schnell am Nachtschalter getankt und ab ging es ins warme Bett, dass wir uns wirklich verdient hatten. Der Pokalabend war eine saugeile Fahrt mit einem fetten Spiel unglaublich viel Spaß. Für die Auslosung wünschen wir uns trotzdem bitte mal wieder ein Heimspiel.

Strecke: 398,54 km
Zuschauer: 74000
Anreise: Bus
Tore: 1:0 Frei (10.), 1:1 Almeida (62.), 1:2 Pizarro (80)

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