Dabei fiel mir mal wieder auf, dass es die verschiedensten "Fahrertypen" in unseren Bussen gibt:1. Die absoluten Hardcore Säufer, die mittags mit Bacardi anfangen, später die Kurze-Vorräte plündern und scheinbar jedes Mickie Krause Lied auswendig können (inklusive der Bonustracks). 2. Freaks, die im normalen Leben sicherlich nichts auf die Reihe bekommen, mit Alkohol allerdings ein wenig aus sich raus gehen und versuchen Party zu machen, was ihnen jedoch nicht gelingt, da ihnen einfach die coolen Sprüche fehlen. 3. Männer, deren unglaublich hartes Schicksal es ist, eine Freundin zu haben, die auch fussballinteressiert ist. Das heißt im Klartext: Kein Alk und schön benehmen. Es sei denn Frauchen ist auch Hobby-Alkoholikerin. 4. Schließlich die Gruppe zu der wir uns zählen: Wir chillen die ganze Fahrt durch, diskutieren über Fussball, versuchen unmögliche Bild-Kreuzworträstel zu lösen, gucken uns die Landschaft an, labern scheisse, probieren komische Kekse, beobachten wie die ersten dem Alkohol erliegen und freuen uns einfach auf das Spiel. Man muss allerdings sagen, dass wir mit dieser Einstellung eindeutig in der Minderheit sind. Angekommen in Dortmund mussten wir wegen einer Polizistin einen kurzen Umweg nehmen, kamen aber dann nach ein paar Minuten beim Stadion an, welches die Tore glücklicherweise schon geöffnet hatte. KiNG wollte sich gerade eine Bratwurst und ich mir einen Hot Dog kaufen, da sahen wir ihn: Einen Dönerstand mitten in einem Fussballstadion - stilecht mit Ruhrpottkanacke als Bedienung. Unsere Träume wurden war. Na ja fast zumindest denn der Döner stellte sich bestenfalls an unterer Durchschnitt heraus. Ich gönnte mir noch was zu trinken (Red Bull aus nem Becher schmeckt komisch) und hinein ging es ins Stadion. Es war noch nicht sehr viel los - sogar auf der Südtribüne waren erst wenige schwarz-gelbe Flecke zu verzeichnen.
Viele im Block tranken Kakao, was das verbesserte Essensangebot in Dortmund für mich nur bestätigte. Wenn das doch nur in jedem Block so wäre... Die Zeit wurde mit Spekulationen über die spätere Zuschauerzahl und der Frage überbrückt, wo eigentlich unsere Ultras steckten, denn sie kamen wirklich erst ziemlich spät in den Block - zumindest kam es uns so vor. Zum Warmlaufen der Borussen gab es ein "Westfalenstadion" Banner zu sehen.
Als unsere Mannschaft sich dann aus dem Tunnel begab, war es schon ein geiles Gefühl, sie endlich nach der Pause wieder auf dem Rasen zu sehen. Vor dem Spiel gab es dann noch eine Gesangseinlage von einem Chor, der sich eigentlich ganz gut anhörte, doch natürlich wurde er von uns gnadenlos ausgepfiffen. So ganz habe ich den Sinn dieser Einlage auch nicht verstanden, denn es wurde auch eine Fahne präsentiert, die dann später an die Südtribüne übergeben wurde. Komische Sache. Unterstützt wurde das ganze von einem lächerlichen Feuerwerk, das von einem ganz anderen beeindruckenden Bild in den Schatten gestellt wurde, denn die Kamera- und Handylichter der Südtribüne, die das Treiben auf dem Rasen filmten, sahen wirklich in der Masse verdammt geil aus. Kurze Zeit später kamen die Mannschaften spielbereit aufs Feld und die Partie konnte losgehen.
Leider begann unsere Mannschaft sehr schwach. Vor allem Tosic war wieder einmal völlig von der Rolle und spielte viele Fehlpässe. Hinzu kam noch, dass der Schiedsrichter uns zu benachteiligen schien und so folgte auch einer krassen Fehlentscheidung (Foul an Almeida nicht gesehen) das 1-0 für die Dortmunder. Werder zeigte sich weiterhin unsicher und Dortmund scheiterte einige Male an Wiese und am Pfosten. Zur Halbzeit konnten wir froh sein, nur 1-0 hinten zu liegen. In der zweiten Hälfte machte Werder plötzlich das Spiel und Almeida erzielte mit einem schönen Weitschuss den wichtigen Ausgleich. Kurz vor Schluss dann die geilste Szene: Diego mit dem Freistoß gegen den Pfosten, der Ball prallt zurück ins Feld, Özil läuft mit dem Ball, Pizarro nimmt ihn an sich und schießt - Tor - ausrasten. Das Spiel war gedreht und es ging gar nichts mehr mit unseren Stimmen. Die Mannschaft wurde danach bei jedem Ballkontakt gefeiert und spielte des Sieg souverän nach Hause. "Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin."Strecke: 398,54 km
Zuschauer: 74000
Anreise: Bus
Tore: 1:0 Frei (10.), 1:1 Almeida (62.), 1:2 Pizarro (80)
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