
Angekommen in Bochum nahmen wir zunächst einen Döner als Burger bei der Kette "Mr. Chicken" zu uns und kamen mit einer Rauchbombe am Bahnhof in Stimmung. Danach ging es dann zu Fuß zum Ruhstadion oder wie es dank Sponsoren heute heißt: "reWIRpowerStadion". Unglaublich schlimmer Name. Der Gästeblock in diesem herrlich altmodischen Stadion war bereits gut gefüllt, doch wir fanden noch ein paar nette Plätze.
Neben uns hatte jemand wohl ein bißchen viel getrunken, weswegen er auf den Stufen saß und ziemlich fertig aussah. Seine Kollegen stimmten den passenden Gesang an: "Armes Häschen bist du krank, dass du nicht mehr schlucken kannst?" Vorm Anpfiff besuchten wir noch einmal das Klo, welches für jeden Fan der helle Wahnsinn ist: Alles ist tapeziert mit Aufklebern verschiedenster Vereine und Fanszenen. Ich steuerte einen "Bremen & Essen - Niemals vergessen" - Aufkleber der Sammlung bei und zurück ging es in den Block.Das Spiel ging mit guten Auswärtssupport los, denn nicht umsonst nennt man das Spiel in Bochum das "18. Heimspiel". Auch heute waren wieder sehr viele Bremer mitgefahren. Schön, dass dies auch in weniger erfolgreichen Zeiten so ist. Auch die Mannschaft spielte nach vorne und hatte gute Chancen. Leider wollte das Tor nicht fallen und so wurde auch die Stimmung von Minute zu Minute leiser, obwohl das eigentlich andersrum sein sollte. Als dann die ersten Leute begannen, gegen den Vorsänger zu singen und versuchten die Dauergesänge (die immer noch am meisten rocken, seht es mal ein) zu übertönen, war dann alles vorbei. Auch die Mannschaft spielte immer schlechter und vergab gute Chancen. "Schießen, einfach schießen" schallte es aus der Kurve, doch lediglich Naldo traf die Latte. Schluss, Aus, Unentschieden. Punkt geholt und nicht verloren. Wir waren zufrieden und legten einen Sprint zum Bahnhof hin, den wir uns auch hätten schenken können, da die Deutsche Bahn natürlich Verspätung hatte. Im Stadion gab es dann noch folgende Szenen: (Wir waren zu diesem Zeitpunkt NICHT mehr anwesend, weshalb diese Zeilen komplett von anderen Quellen stammen) Die Fascho-Gruppe, die wir bereits in Wunstorf gesehen hatten, versuchten eine alte Reichskriegsfahne auszurollen und einen Banner mit der Aufschrift "Pro Rassismus" im Block zu präsentieren. Dies wurde von einigen Werderanhängern und der Polizei sofort unterbunden und die Nazis festgenommen. Hoffentlich wird das Stadionverbot für die Gruppe bundesweit ausgesprochen - nie war eine Platzsperre für "Fans" wohl angebrachter. Löblich auf jeden Fall das Verhalten all derjenigen, die eingeschritten sind und gezeigt haben, dass Rassismus nichts in unserer und auch nicht in irgendeiner Kurve dieser Welte eine Rolle spielen sollte. Politik hat im Fussball nichts zu suchen. Meine Meinung.
(Bild: DPA)Die Rückfahrt war dann wieder entspannt, obwohl wir wieder wegen Verspätungen die Anschlusszüge verpassten. So wurde in Wunstorf eben auf einem komplett verlassenen Bahnhof mit dem Handy Mucke gehört, im Zug mit zwei Galdbachern über das Spiel in Bielefeld gequatscht und im Bus in Bremen ein Schnapsopfer belächelt, welches nach drei Haltestellen schon wieder aussteigen musste, da er einfach nicht mehr fähig war irgendentwas mitzubekommen. Viel erlebt an diesem Samstag im Pott.
Strecke: 422,22 km
Zuschauer: 27237
Anreise: Zug
Tore: Fehlanzeige
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